Stellungnahme zur Protestaktion von Romano Jekipe am Berliner Denkmal/Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas

Stellungnahme IniRromnja

Das Berliner Denkmal/Mahnmal für die Ermordeten Sinti und Roma Europas wurde am 22.5.2016 zum Protestort einer Gruppe Romn*ja, Familien mit Kindern und Einzel-Aktivist*innen, die sich mit einer Verzweiflungstat gegen ihre drohende Abschiebung stellten. Ihre Planung bis zur Pressekonferenz am kommenden Tag, den 23.05. um 11 Uhr zu verweilen wurde durch eine gewaltvolle Räumung um 23:30 verhindert. Nach unserer Information begründete die Polizei die Räumung damit, dass der Ort ein Gedenkort und ein befriedeter Bezirk sei. Vor der Räumung sollen verschiedene Vertreter*innen von NGOs und die Mitarbeiter*innen, der für das Denkmal zuständigen: „Stiftung Denkmal“ versucht haben die Aktivist*innen zum Aufgeben zu überreden während wenige Andere unterstützend herbeikamen.

Denkmal und Mahnmal an die ermordeten Sinti und Roma Europas

Wir, die IniRromnja haben bereits seit 2012 in unseren Texten den Begriff Denkmal mit dem Begriff Mahnmal entweder ergänzt oder ersetzt. Denkmal erinnert an die Vergangenheit. An hinter uns liegende und entsetzliche Geschichte, die wir nicht vergessen wollen und können. Ein Mahnmal hingegen greift aktiv ein und mahnt die Menschen der Gegenwart an die Taten der Vergangenheit und verpflichtet zum Handeln, damit dies nie wieder geschehen kann.

Die Gegenwart ist auf den Steinen, den Straßen mit den Händen und den Mitteln der Vergangenheit gebaut. Wir heute, insbesondere in Deutschland und insbesondere die Gesetzgebung und Politik sollten durch dieses Mahnmal auch daran ermahnt werden, den Nachkommen der Opfer ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Viele Rom*nja können bis heute ihrer Toten nicht im stillen Gedenken, weil sie durch ihren brutalen Alltag, durch das prekäre Leben, durch den täglichen Kampf ums Überleben, um Würde für das Wohl ihrer Familien und ihrer Selbst kämpfen. Keine Zeit zum Erinnern, keine Zeit zum Ausruhen.

Wir als IniRromnja haben aus Respekt vor dem Ort und vor dem stillen Gedenken bislang keine Veranstaltung innerhalb des Denkmals/Mahnmals gemacht! Viele Sinte und Roma und so auch einige Frauen* der IniRromnja sehen das Denkmal/Mahnmal auch als eine Art Friedhof für die vielen Ermordeten, die nie ein Grab erhalten haben und empfinden den Ort daher für Veranstaltungen als unangemessen.

Doch wir können nicht anders als diese Protest – Aktion unserer Schwestern* und Brüder*, die aus Hamburg Kiel und anderen Städten angereist sind mit ambivalenten Gefühlen aber vollen Herzen zu unterstützen.

Wir respektieren ihren Kampf um Bleiberecht!

Wir teilen ihre Kritik an den 2014 und 2015 politisch unhaltbaren Erklärungen von sicheren Herkunftsstaaten!

Wir kritisieren aufs Schärfste die neuesten restriktiven Asylrechtseinschränkungen des sogenannten „Asylpaket II“!

Wir wünschen uns, dass es viele andere Orte gäbe an denen der Hinweis auf die Kontinuitäten der Entrechtung und des Elends von Romn*ja so deutlich gemacht werden könnten – aber für unsere Leute gibt es diese Orte leider nicht. Diese Orte sind so rar, wie es ein mahnendes, ein aktives Gedenken ist.

Wenn auf dem Denkmal/Mahnmal die Nachkommen der Mehrheitsgesellschaft sowie politische Entscheidungsträgeri*innen Deutschlands Gedenkveranstaltungen abhalten können, dann muss es an diesem Ort auch für die Nachfahren von verfolgten und ermordeten Romn*ja Europas, die aktuell und akut in ihrer Menschenwürde verletzt werden, einen Platz geben.

Wir unterstützen die Bleiberechtsforderungen von Romano Jekipe!

Die Menschen kämpfen dagegen gewaltsam an einen Ort versetzt zu werden, an dem die Lebensbedingungen so schlecht sind, dass sie ihr Leben verkürzen. Das ist keine Phantasie-Dichtung, sondern die bittere Realität auch heute! Laut Studie des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, UNICEF, liegt die Kindersterblichkeit bei Rrom_nja, trotz anders lautender offizieller Statistiken nach wie vor mindestens vier Mal über dem Landesdurchschnitt (vgl. Waringo 2013, S. 28 f.). Die durchschnittliche Lebenserwartung für Rromafrauen in informellen Siedlungen liegt bei 48 Jahren wohingegen die durchschnittliche Lebenserwartung in Serbien allgemein 74 Jahre beträgt (vgl. Amnesty International Schweiz 2011). In Serbien gibt es 593 Rroma-Siedlungen, von denen 72 Prozent nicht legalisiert wurden. Allein in Belgrad gibt es 137 solcher Siedlungen, ca. ein Drittel dieser Siedlungen haben keine Wasserversorgung; 70 Prozent sind nicht an das Abwassersystem angeschlossen.

Diese Lebensbedingungen zeigen: Es gibt für Romn*ja keine sicheren Herkunftstaten!

Wir solidarisieren uns mit den Forderungen von Romano Jekipe!

Romnja Power Month

Liebe Freund*innen, liebe Schwestern* und liebe Interessierte,
wir freuen uns sehr Ihnen/Euch unser Programm für den Romnja* Power Month bekannt geben zu dürfen. Wir haben eine Reihe von informativen , empowernden , kreativen und vielseitigen Veranstaltungen  zusammengestellt und möchten ganz herzlich zur Teilnahme einladen.
Collage_Romnja Power
Der Romnja Power Month, geboren aus einer Kooperation zwischen der IniRromnja und RomaniPhen findet im Zeitraum zwischen dem Internationalen Tag der Frauen und dem Internationalen Tag der Roma*, vom 8. März bis zum 8. April 2016, statt. Mit der Veranstaltungsreihe wollen wir Romnja* und Sintezza* als
künstlerisch, wissenschaftlich und gesellschaftskritisch handelnde Akteurinnen* erkennbar machen und ihre Arbeiten einem breiten Publikum vorstellen. Wir organisieren den Romnja Power Month für eine angemessenen Sichtbarmachung
der Beiträge, der Geschichte, der Themen und Gesellschaftsanalysen von Roma* selbst und hier insbesondere auch von Frauen* sowie von feministischen Perspektiven.
Der Romnja* Power Month ist daher eine feministische Intervention gegen die gesamtgesellschaftlich entweder fehlenden oder sehr homogenen und rassistischen Bilder über Romnja*. Gleichzeitig weisen wir damit nachdrücklich auf die gesellschaftliche und insbesondere politische Relevanz der Wissensproduktion unserer Schwestern* hin.
Unser komplettes Programm findet ihr hier:
Ab 08.03. auch unter http://www.romnja-power.de

Roma Day 2015

Liebe Alle,

es ist wieder so weit der 8.April, der Internationale Tag der Rrom_nja nähert sich! Dieses Jahr organisieren wir als Teil des Bundes Roma Verbandes die Kundgebung und weitere Programmpunkte rund um den 8.April mit.

Wir haben immer noch viele und gute Gründe Rechte einzufordern!

In der Vergangenheit wie auch heute sind Rrom_nj_a massiver Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Pogrome, rassistische Serienmorde, Segregation, Zwangsumsiedlungen, Zwangsdeportationen sowie rassistische mediale Hetze sind Alltag für viele Rrom_nja in Europa. Mit der Kundgebung am Brandenburger Tor demonstrieren wir gegen die aktuelle Verfolgung! Kommt und unterstützt das worldwide Rroma movement!

Zum 8. April, dem Internationalen Tag der Rroma, laden wir Euch zur Solidarität mit den weltweiten Bewegungen von Rroma-Selbstorganisationen und Initiativen ein!

Join the Roma Day!

… und kommt alle zur Kundgebung:

am 8. April um 15 Uhr
am Brandenburger Tor

Join the Romaday 2015❤

Kommt zur PayParty am 02.04  um die Acts und Technik zu supporten und auch zum Tanzen …

und hier das Programm:

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Wer den RomaDay mit Spenden supporten möchte:

https://www.betterplace.org/de/projects/27273?utm_campaign=ShortURLs&utm_medium=project_27273&utm_source=PlainShortURL

 

„Ich wende mich entschieden gegen Bevormundung“ Performative Lesung in Gedenken und Erinnerung an die Filmemacherin und Bürgerrechtsaktivistin Melanie Spitta

Melanie Spitta war eine wegbereitende Filmemacherin und Akteurin der Sintezza-und –Rromnja-Bewegung. In ihren Film- und Textproduktionen hat sie sich mit dem nationalsozialistischen Genozid an Rroma und Sinti sowie mit der fehlenden Anerkennung und Entschädigung nach 1945 beschäftigt. Sie setzte sich auch aktuell- politisch mit Erinnerungspolitiken, mit Rassismus und Sexismus in der Bundesrepublik nach dem Pharrajmos (Genozid an Rrom_nja) bis in die 1980er Jahre auseinander. Gemeinsam mit Kathrin Seybold hat sie vier Dokumentarfilme gedreht, von denen wohl am bekanntesten„Das falsche Wort“ ist, eine Dokumentation, die Zeitzeug_innen über die Verfolgung und Nichtgewährung der Entschädigung zu Wort kommen lässt. Mit Schärfe und Feingefühl hat sie Facetten des Alltagsrassismus‘ gegen Sinti_zza und Rrom_nja, aber auch des Rassismus‘ in den Schulen und in der sozialen Arbeit, in ihren Stellungsnahmen und Interviews thematisiert. Ihre Analysen und ihre Stimme wirken fort.

Die Frauen des rromani – feministischen Archivprojektes RomaniPhen und der Gruppe IniRromnja rufen mit einer performativen Lesung das Lebenswerk von Melanie Spitta in Erinnerung, welches im Mainstream weitgehend unbekannt geblieben ist. Dabei geht es um eine Interpretation ihres filmischen und politischen Schaffens, genauso wie um die Widerstände, die sie dabei überwinden musste. Gleichzeitig wirft die Lesung 70 Jahre nach dem Genozid kritische Fragen zum Erinnern und Gedenken in der Bundesrepublik auf. Wessen Stimmen wurden und werden gehört? Wer wurde und wird erinnert oder ausgelassen? Wo stehen wir heute?

Das feministische RomaniPhen Archiv ist ein Kooperationsprojekt der IniRromnja, des Rroma Informations Centrum e.V. und des VIA Verbandes Berlin/Brandenburg e.V.

Die  Veranstaltung findet im Rahmen der Veranstaltungen zum Internationalen Tag der Rrom_nja 2015 am 10.04. um 19:00 in der Akademie des jüdischen Museums statt.

Dossier zu gesellschaftspolitischen Perspektiven von Sinti und Roma in Deutschland

Liebe alle, wir freuen uns sehr Euch auf das wunderbare neue Dossier zu gesellschaftspolitischen Positionierungen von Sinti und Roma in Deutschland, welches unter der Mitwirkung unserer IniRromnja entstanden ist, hinzuweisen:

„In diesen Texten sind sowohl sehr ernste, erinnerungspolitische und aktuelle Essays versammelt sowie akademisch aufbereitete Beiträge zu Sinti und Roma zu finden. Die Leser_innen erfahren und begreifen anhand von Texten und Beiträgen, wie eine Minderheit jahrhundertelang verfolgt, stereotypisiert wird. Sie erfahren aber auch von kreativen, künstlerischen, akademischen und politischen Gegenstrategien.“

(Anita Awosusi, Tochter von Holocaust-Überlebenden, Bürgerrechtlerin, Herausgeberin mehrerer Bücher zum Thema Antiziganismus und der Musik der Sinti und Roma.)

Auf dem folgenden Link könnt Ihr das neue Dossier finden:

http://heimatkunde.boell.de/dossier-sinti-und-roma

PDF Download: http://heimatkunde.boell.de/sites/default/files/dossier_perspektiven_und_analysen_von_sinti_und_rroma_in_deutschland.pdf